Morbus Crohn – Symptome & Therapie

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED). Die klinischen und pathologischen Details des Krankheitsbildes wurden erstmalig im Jahr 1923 durch den US-amerikanischen Gastroenterologen Burrill Bernard Crohn beschrieben.

Häufigkeit

In den letzten zwanzig Jahren hat die Zahl der Krankheitsfälle deutschlandweit stetig zugenommen. Dabei wird die Zahl der Betroffenen je 100.000 Einwohner derzeit auf ca. 300 geschätzt. In Nordamerika und Europa leiden insgesamt mehr als 3,5 Millionen Menschen an der Erkrankung.

Symptome

Typisch für Morbus Crohn ist ein schubweiser Krankheitsverlauf, bei dem auf die Entzündungsschübe symptomfreie Phasen folgen können. Dabei sind Dauer und spezifische Symptomatik sowie Stärke der Entzündungsaktivität variabel, wobei ein akuter Schub über mehrere Wochen anhalten kann. Die Krankheit kann im gesamten Verdauungstrakt (von der Mundhöhle bis zum After) auftreten. Oft sind jedoch der letzte Abschnitt des Dünndarms oder des Dickdarm betroffen. Typische Symptome sind krampfartige Bauchschmerzen und chronischer Durchfall, in selteneren Fällen begleitet von blutigem Stuhl. Dabei ist die häufigste Lokalisation von Entzündungen im Bereich des Übergangs vom Dünndarm in den Dickdarm, weshalb die Schmerzen häufig im rechten Unterbauch wahrgenommen werden. Auch Fieber, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen können als Begleiterscheinungen auftreten. Es können sich auch außerhalb des Magen-Darmtrakts Krankheitserscheinungen manifestieren, sodass es beispielsweise zu Gelenkbeschwerden, Hautveränderungen und Augenerkrankungen kommen kann.   

Ursachen

Früher wurde Morbus Crohn als klassische Autoimmunerkrankung kategorisiert, jedoch ist mittlerweile bekannt, dass es sich lediglich um eine immunassoziierte Krankheit handelt. Dies bedeutet, dass die Immunreaktion, welche zu Entzündungserscheinungen beiträgt, nicht (wie bei Autoimmunerkrankungen) körpereigen ist.

Die genauen Ursachen einer Morbus Crohn Erkrankung sind noch nicht vollständig bekannt. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen haben jedoch immer multifaktorielle Hintergründe. Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine sogenannte komplexe Barriereerkrankung, bei der die Schutzfunktion der Darmschleimhaut (als Barriere vor Bakterien und Fremdstoffen) gestört ist. Zusammen mit der verminderten Fähigkeit bestimmter Zellen zur Bakterienerkennung und -bekämpfung  kann es so zum Eindringen von Bakterien und der dadurch ausgelösten Entzündung als Immunreaktion kommen. Diese über bestimmte Zeiträume chronisch vorliegenden Entzündungen führen so auch zu lokalen Gewebeschäden.

Weitere Faktoren für das Ausbilden der Erkrankung sind sowohl genetische Veranlagungen (es sind zahlreiche Gene bekannt, die das Risiko zu erkranken beeinflussen), als auch Umwelteinflüsse. Dabei könne bestimmte Aspekte des Lebensstils, wie z. B. Rauchen, Stress und unpassende Ernährung beitragende Faktoren sein. Besonders das Rauchen stellt dabei einen großen Risikofaktor dar, sodass Raucher/innen ein circa doppelt so hohes Risiko haben an Morbus Crohn zu erkranken, als Nichtraucher/innen.

Diagnose

Die Diagnose kann nur aus einer charakteristischen  Kombination von Befunden verschiedener Untersuchungsmethoden erfolgen. Dabei wird zunächst in einem Gespräch mit einem Facharzt auf die Krankheitsgeschichte und Symptomatik eingegangen. Da die Beschwerden jedoch häufig nicht eindeutig einer Morbus Crohn Erkrankung zuzuordnen sind, kann nur durch körperlicher Untersuchung (z. B. Blut- und Stuhldiagnostik) sowie weiterer Untersuchungsmethoden eine eindeutige Diagnose gestellt werden. Bei der körperlichen Untersuchung sind Schmerzen sowie eine tastbare Verhärtung des rechten Unterbrauchs charakteristisch.

In der Labordiagnostik können bestimmte Blutwerte als Entzündungsmarker dienen. Dazu zählt ein erhöhter CRP-Wert, welcher auf die erkrankungstypischen Entzündungsprozesse hinweist, da das sogenannte C-reaktive Protein als Reaktion auf bakterielle Entzündungen oder Gewebeschäden gebildet wird. Ein weiterer Entzündungsmarker ist ein erhöhter Wert der Leukozyten, der weißen Blutkörperchen. Eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Blutarmut sowie Nährstoffmangel sind weitere Indizien für das Krankheitsbild.

Durch einen Gastroenterologen kann außerdem eine Darmspiegelung vorgenommen werden, um das Erscheinungsbild der Darmschleimhaut zu beurteilen. Entzündete Darmabschnitte können dabei zum Teil durch Geschwüre und innere Blutungen sichtbar werden. Des Weiteren sind spezifische Gewebeveränderungen bei Morbus Crohn charakteristisch, und es kann durch Gewebebiopsien aus verschiedenen Abschnitten des Darms ein Laborbefund erstellt werden. So lässt sich die Erkrankung von der Colitis ulcerosa abgrenzen, da oft verschiedene Segmente des Darms betroffen sind und nicht, wie bei der Colitis ulcerosa, der gesamte Dickdarm. Auch die typische Verdickung der Darmwand kann zu Diagnosezwecken genutzt werden, da sich diese mit Hilfe einer MRT darstellen lässt.

Therapie

Auch aufgrund der bislang nicht gänzlich zu klärenden Ursachen gibt es bislang keine Heilmittel für Morbus Crohn. Das Ziel einer Langzeittherapie ist es daher, die Entzündungsaktivität einzudämmen, also akute Schübe zu vermindern und die Phasen der Remission zu verlängern. Damit wird nicht nur eine höhere Lebensqualität für Betroffene ermöglicht, sondern auch der dauerhaften Schädigungen der Darmschleimhaut und damit einhergehend dem Verlust der Darmfunktion vorgebeugt. Bei der Behandlung von Morbus Crohn können medikamentöse Behandlung sowie operative Eingriffe in Frage kommen. 

Bei einer leichteren Form der Erkrankung können entzündungshemmende Präparate, wie z. B. Aminosalizylate, eingesetzt werden. Medikamente mit stark entzündungshemmender Wirkung, wie Steroide oder Kortikosteroide, können auch für die kurzfristige Therapie (bei akuten Schüben) oder zur überbrückenden Behandlung eingesetzt werden, bei einer Therapie, deren Wirkung erst nach einigen Monaten eintritt. Diese Präparate sind jedoch nicht zur  Langzeittherapie geeignet, da bei langfristiger Einnahme unerwünschte Nebenwirkungen eintreten können.

Einer der Therapieansätze besteht darin, Wirkstoffe einzusetzen, die die Aktivität des Immunsystems vermindern, sogenannte Immunsupressiva. Hierzu zählen beispielsweise Methotrexat oder Azathioprin.
Wenn der obere Verdauungstrakt betroffen ist, können Protonenpumpenhemmer helfen (z. B. Pantoprazol). Sie reduzieren die Magensäure und lindern Sodbrennen.

Als weitere Behandlungsmöglichkeit kommen Biologika in Frage, welche biotechnologisch hergestellt werden. Körpereigene Stoffe dienen dabei als Vorbild. Derzeitig sind zur Behandlung von CED im Bereich der Biologika nur Antikörper zugelassen. Dabei handelt es sich um TNF-α-Blocker, die sich gegen den sogenannten Tumornekrosefaktor Alpha (TNF-α.) richten. Dieser ist ein multifunktionaler Signalstoff des Immunsystems und an fast allen Entzündungsreaktionen des Körpers beteiligt. Bei CED, wie Morbus Crohn, ist die Ausschüttung dieses Botenstoffes dauerhaft erhöht. Biologika werden meist eingesetzt, wenn die anderen Therapieansätze in ihrer Wirkung nicht ausreichend sind.

Wenn es trotz Medikamentenvergabe nicht gelingt, die Krankheit einzudämmen, wird ein operativer Eingriff erwogen. Da das Erkrankungsbild häufig mit Komplikationen, wie Fisteln, Darmverschlüssen, Abszessen oder Stenosen einhergeht, kann eine Operation Abhilfe schaffen. Der betroffene Darmabschnitt wird dann entnommen. Dabei kann es notwendig sein, vorrübergehend oder dauerhaft ein Stoma (einen künstlichen Darmausgang) anzulegen.

Ein gesunder Lebensstil und eine Ernährungsumstellung kann die Symptomatik der Erkrankung vermindern. Besonders der Verzicht aufs Rauchen kann die Krankheitsschübe deutlich abmildern und verkürzen. Nährstoffreiches Essen und kleine Mahlzeiten, über den Tag verteilt eingenommen (unter Beachtung von Unverträglichkeiten) kann helfen, Beschweren zu lindern. Bei einem Schub kann es außerdem hilfreich sein, Essen zu pürieren. Saures oder scharfes Essen sollte vermieden werden. Auch Stressreduktion mit Entspannungstechniken oder Verhaltenstherapie kann die Erkrankung günstig beeinflussen.

Forschungsansätze

In klinischen Studien werden derzeit neue Behandlungsansätze für Patienten mit Morbus Crohn erforscht. Dabei wird beispielweise die Wirksamkeit von Biologika untersucht, die einen anderen Wirkmechanismus haben als solche, die bereits zur Behandlung eingesetzt werden. Auch kann die Wirksamkeit von Biologika gegenüber Morbus Crohn geprüft werden, die bereits für gewisse CED zugelassen sind bzw. eingesetzt werden.

Betroffene Patienten, die an Studien teilnehmen, helfen aktiv bei der Erforschung neuer Wirkstoffe und sorgen für die Verbesserung von Behandlungsmöglichkeiten für viele Patienten. Außerdem können sie von der umfangreichen Untersuchung während der Studie und möglicherweise auch von der Wirkung des Studienmedikamentes profitieren.

Auch bei der Charité Research Organisation führen wir immer wieder klinische Studien mit neuen Wirkstoffen gegen Morbus Crohn durch. Hierfür suchen wir Patienten, die an einer Studienteilnahme interessiert sind. Registrieren Sie sich gerne für eine Studienteilnahme.